Will gewichtiges Wort mitreden

MZ – Wittenberg: VON KLAUS ADAM, 03.03.11, 19:53h, aktualisiert 03.03.11, 21:40h
Henning Kirmse (FOTO: TH. CHRISTEL)

Henning KirmsePRETTIN/MZ. Dass Henning Kirmse kein gebürtiger Prettiner ist, hört man. Seinen sächsisch-thüringischen Dialekt hat der aus dem Altenburger Land Stammende selbst in 33 Jahren an der Elbe nicht ablegen können. Und den soll man künftig auch im Landtag von den Bänken der Freien Wähler hören. Allerdings müsste der 62-Jährige dann das Direktmandat im Wahlkreis 25 holen, einen Listenplatz hat er nämlich nicht.

Wenn Kirmse etwas sagt, dann klingt es energisch, bestimmt, überzeugt und er kommt schnell auf den Punkt. Langes Drumherumreden ist seine Sache nicht. Ganz im Gegenteil, der 1,96-Meter-Mann nimmt eher kein Blatt vor den Mund.

“Du begreifst immer mehr, dass du im Stadtparlament oder im Kreistag nichts mehr bewegen kannst”, sagt der jetzige Vorruheständler. Er sitzt im Annaburger Stadtrat und ist Freie-Wähler-Fraktionschef im Kreistag. Die Rahmen seien so eng gefasst, “dass du nicht mehr gestalten kannst. Du rennst nur Pflichtaufgaben hinterher, und alles, was dir wichtig ist, kannst du nicht anfassen, weil es nicht bezahlbar ist”. Wichtig ist ihm etwa, auf die Stimme der Leute zu hören. Nachdem bis zur Flut 2002 an den Elbedämmen nichts getan wurde, habe die Region dieselbe Situation gerade eben an der Schwarzen Elster wieder erlebt. “Oder das Meliorationssystem, das man vergammeln lassen hat”, nennt Kirmse ein weiteres Beispiel, “jetzt stellen wir es wieder her. Aber verkorkst haben es dieselben Leute, die jetzt mit diesen Ideen kommen.”

“Wie viel Unsinn sich in diesem Bildungssystem abspielt”, führt der Prettiner die Litanei weiter. Es werde zu viel experimentiert, die Kinder blieben dabei auf der Strecke. “Der Wechsel einer Familie von einem Land ins andere ist ein Chaos”, sagt Kirmse, die Kinder müssten sich zum Teil an völlig andere Schulsysteme gewöhnen. Doch auch im eigenen Land würden sie zu schnell aus bestehenden, gewohnten Strukturen herausgerissen. Gerade die jüngste Gebietsreform, im Zuge derer seine Heimatstadt Prettin nun Ortsteil von Annaburg ist – und in der Kirmse mit dem Antrag scheiterte, wenigstens den Doppelnamen Annaburg-Prettin durchzusetzen – ist für ihn ein Beispiel des Politikeragierens “von oben nach unten”. “Die Freien Wähler sind näher am Volk, hören genauer hin” als die etablierten Parteien, verdeutlicht er seine Denkart. Und sympathisch ist ihm die Listenvereinigung schon deshalb, weil niemand gezwungen werde, sich einem Parteizwang zu unterwerfen.

Kirmse ist entschiedener Gegner der Massentierhaltung, Stichwort Schweinemast Gerbisbach. “Es geht nicht, dass wir damit unsere Natur kaputtmachen.” Und sorgt sich in diesem Zusammenhang auch um die Folgen massiver Gülleausbringung auf den Feldern.

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