Neue Stimme, die noch fehlt

Mario Rudolf gratuliert Regina Gröger
DESSAU-ROSSLAU/MZ. Es ist auch ein Stück weit ihre Programmatik für den Landtagswahlkampf 2011: “Wir wollen flächendeckend alle Wahlkreise besetzen. Mit Leuten, die im Alltag in genau dieser Region wirken und unter den Menschen sind.” Mario Rudolf, Landesvorsitzender der Freien Wähler Sachsen-Anhalt, ist diesem Ziel am Freitagabend zwei Schritte näher gekommen. In geheimer Wahl haben die Mitglieder der Vereinigung freier Wählergruppen ihre Kandidaten für die Stimmzettel in den Wahlkreisen 26 und 27 nominiert. Die Entscheidung fiel kurz und bündig. Und jeweils einstimmig. So gehen die Dessauerin Regina Gröger und der Oranienbaumer Michael Marks für die Feien Wähler in den Landtagswahlkampf.

Michael Marks Foto: MZDie Prämisse der Bekanntheit in ihrem Wahlkreis erfüllen beide Kandidaten, sind in ihrer Stadt und Region fest verankert. So ist der 39-jährige Michael Marks als Handwerksmeister Chef in einem Sechs-Mann-Elektrofachbetrieb und seit 1994 Mitglied im Stadtrat Oranienbaum, zog bei der Wahl vor zwei Wochen für der neue Stadt Oranienbaum-Wörlitz für die Freien Wähler wiederum in den Rat ein. Im neuen 20-köpfigen Stadtrat haben drei eigenständige Wählergemeinschaften fünf Plätze besetzt.

Dieser Sprung blieb Regina Gröger vor drei Jahren noch verwehrt, obwohl sie zur Kommunalwahl für Pro Dessau-Roßlau über 800 Stimmen holte. Die 60-Jährige Unternehmerin aus der Getränkebranche, die mit der Saga GmbH, dem Brauhaus zum Alten Dessauer und dem Ratskeller drei Firmen leitet, nennt sich selbst eine sehr umtriebige, sehr direkte Person. “Und streitsüchtig? Ja, das stimmt. Aber immer im Interesse der Sache!” Vor ihren Mitarbeitern im Brauhaus, da hat sie schon mal blank gezogen und über die neuen Ambitionen informiert: “Eure Alte” (so werde sie genannt) will kandidieren für die Freien Wähler. Das Staunen reihum sei fast greifbar gewesen: Was is’n das? In den Landtag von Sachsen-Anhalt will se also. Der Kommentar in der Belegschaft klingt unverblümt und so typisch für das Haus Gröger: “Chefin, das ist jut. Ihre Schnauze, die fehlt da!”

Dass die Freien Wähler die Fünf-Prozent-Hürde überspringen und in den neuen Magdeburger Landtag einziehen werden, ist erklärtes Ziel der Wählerinitiative. Landesvorsitzender Mario Rudolf aus Bornum (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) sieht den Ausgang der Landtagswahl so ungewiss wie nie. Auch die offenkundige Arroganz der etablierten Parteien im Umgang mit den Freien Wählern sei neu. Da habe Landesvater Wolfgang Böhmer (CDU) in der vorigen Woche der Initiative fehlende Programmatik und Lobbyismus vorgeworfen. Gerade dies aber öffne jetzt neue Türen bei den Menschen, sieht Gerd Möbius (Stadtratsfraktion Pro Dessau-Roßlau) die Freien Wähler im Aufwind

Kommentare sind geschlossen.