Hartnäckig am Stadtratstisch

Mitglied der FeuerwehrWEISSENFELS. “Ja, ich will unbequem sein”, sagt Clemens Wanzke und weiß, dass er sich den Ruf des Unangepassten, des hartnäckigen Fragestellers längst erarbeitet hat. Spätestens seitdem der gebürtige Weißenfelser 2009 in den Stadtrat gewählt wurde. Seitdem nimmt sich Wanzke schon mal die Unterlagen und stellt Fragen an Stellen, an denen andere aufgehört haben zu lesen. Und beim neutralen Beobachter hinterlässt er immer wieder den Eindruck, in besonderer Weise vorbereitet zu sein.

Dabei begann der Weg des gelernten Zerspanungsmechanikers auf den Gästestühlen der Kommunalpolitik. Es war im Jahr 2005, als ihn das bis heute andauernde Gezerre um die Erweiterung des Schlachthofes in den Stadtrat und seine Ausschüsse zog. Doch im Ratssaal nur auf der Gäste-Empore zu sitzen, das empfand er auf Dauer als wenig erquicklich. “Man muss in die Prozesse hinein, muss rechtzeitig informiert sein, wenn man mit gestalten will”, so Wanzke.

Seit 2009 nun ist der verheiratete Vater von vier erwachsenen Kindern mittendrin, sitzt mit am Ratstisch, an dem die Entscheidungen fallen. Ist Vorsitzender der Fraktion Bürger für Weißenfels und gehört in den Ausschüssen für Stadtentwicklung und Umwelt sowie im Hauptausschuss zweifellos zu den auffälligen Akteuren. Und er gesteht: Die Arbeit auf den Ebenen des Kommunalen ist mitnichten nur Mühe, sie macht ihm auch Spaß. Und wenn ihm etwas verkehrt zu laufen scheint, dann lässt er nicht locker. Wie etwa beim Umbau des Einkaufszentrums am Heuweg im Norden, als er über Monate im Briefwechsel mit der Verwaltung stand und nun erreicht hat, dass Stadträte Einsicht in die Verwaltungsakten nehmen können.

Da überrascht es nicht wirklich, dass einer wie Clemens Wanzke nicht übermäßig lange überlegt hat, als ihn die Freien Wähler, ein Zusammenschluss freier Wählervereinigungen im Land, gefragt haben, ob er sich denn um ein Direktmandat für den Landtag bewerben wolle. “Wir brauchen Politiker im Land, die noch in der Bevölkerung verwurzelt sind”, meint Wanzke. Wenn er zurzeit auch noch nicht gänzlich in die Tiefen der Landespolitik eingetaucht ist, so hat er doch klare Vorstellungen, wofür er sich als Landtagsmitglied einsetzen will. Viele Gesetze gehören vereinfacht, denkt er. In der Wirtschaftspolitik verdienen für ihn mittelständische Unternehmen besondere Aufmerksamkeit, Großprojekte seien kritisch zu hinterfragen. Wichtig sei die Förderung der regionalen Wirtschaftskreisläufe. Vor neuen Herausforderungen stehe schließlich auch die Energiepolitik, wenn es darum geht, Speichermöglichkeiten für regenerative Energien zu schaffen.

Mitteldeutsche Zeitung vom 04.03.2011

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