FREIE WÄHLER gehen auf Angriff

MZ berichtet: VON WOLFRAM BAHN, 14.11.10, 18:47h, aktualisiert 14.11.10, 20:28h
HELBRA/MZ. Die kleine Gaststätte “Zum Anker” in Helbra hat am Sonnabend eine politische Premiere erlebt: Zum ersten Mal hat der Kreisverband der Freien Wähler eigene Direktkandidaten für eine Landtagswahl nominiert. Dabei handelt es sich um Uwe Hummitzsch für den Wahlkreis 31 (Sangerhausen), Lutz Sommer (Wahlkreis 32 / Hettstedt) und Harald Henke (WK 33 / Eisleben). Sie wurden in geheimer Wahl und ohne Gegenstimme gewählt.

P39856_FW1110_04Jürgen Spicher, Vorstandsmitglied des Kreisverbandes, zeigte sich nach der Nominierung optimistisch, dass die Freien Wähler am 20. März nächsten Jahres die Fünf-Prozent-Hürde nehmen und damit erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen werden. “Wir brauchen endlich wieder Bürgervertreter im Landtag, die mit beiden Beinen im Leben stehen”, sagte er der MZ. Deshalb schicke man auch Kandidaten ins Rennen, die “noch mit der Basis verwurzelt sind”, wie es hieß.

Hummitzsch (45) ist Ortsbürgermeister von Breitenbach, einem Stadtteil von Sangerhausen, und zugleich der Kreisvorsitzende der Freien Wähler. Der selbständige Fahrlehrer hatte bereits im Frühjahr dieses Jahres bei der Oberbürgermeisterwahl in der Rosenstadt kandidiert und “dabei ein achtbares Ergebnis erreicht”, so Spicher.

Der Diplom-Ingenieur Sommer (54), Ortsbürgermeister von Siersleben, sitzt für die Freien Wähler im Stadtrat von Gerbstedt. Henke (42) als Dritter im Bunde ist Geschäftsführer einer Firma in Eisleben und Chef der Feuerwehr in seinem Wohnort Helbra, wo er die Freien Wähler anführt. Alle drei rechnen sich nach eigenem Bekunden gegen die Bewerber der etablierten Parteien gute Chancen aus. “Die Parteien haben doch bei vielen Bürgern ihren Kredit verspielt”, sagte Sommer.

Auch Henke glaubt, dass die Freien Wähler insbesondere jene Bürger mobilisieren können, die zuletzt aus Politikverdrossenheit nicht an die Wahlurnen gegangen sind. “Wir sind eine echte Alternative für eine andere Politik im Land”, so Hummitzsch. Er verweist dabei auf das Wassergesetz oder die Gemeindegebietsreform, “die im Landtag nicht so verabschiedet worden wäre, wenn die Freien Wähler dort was zu sagen hätten”, meinte der stellvertretende Landesvorsitzende Günther Weisse.

Um den Einzug in den Landtag zu schaffen, wurde ein Wahlkampfteam gebildet. Dort eingebunden sind mit dem Kreistagsmitglied Elke Weckner-Lömm und der Sangerhäuser Stadträtin Katrin Scheffel auch zwei Frauen, die früher der FDP beziehungsweise der SPD angehörten. Sie haben nach parteiinternen Querelen ihre Parteien verlassen und wollen nun ihre Erfahrungen in den Wahlkampf einbringen, wie beide erklärten.

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