Delef Kunze aus Gernrode

“Der Bürgerwille verdient Respekt”

Detlef KunzeQUEDLINBURG. “Ich habe mich immer voll reingehängt, die ersten Sommerferien nach meinem Amtsantritt sind ausgefallen”, weiß Detlef Kunze noch ganz genau. Seit Juli 2008 kümmert er sich als Bürgermeister um die Belange seiner Stadt, die seit Januar Ortsteil von Quedlinburg ist. Die Leute kommen aber nach wie vor zu ihm, ihnen ist es egal, ob sie einen Bürgermeister oder einen Ortsbürgermeister vor sich haben. Es sei ein gutes Gefühl, so der 64-jährige Lehrer für Deutsch, Englisch und Ethik, “wenn ein Problem gelöst werden konnte. Das fängt bei Parkmöglichkeiten oder beim Winterdienst an und hört bei Stadtgestaltung nicht auf.” Anstrengend sei das, aber auch schön. “Es zeigt die Anerkennung der Leistung, wenn sich die Leute an mich wenden”, sagt er, der seit 1990 im Stadtrat von Gernrode arbeitet.

2004 wurde er zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt, vier Jahre später folgte er Werner Grundmann ins Amt. Zu Beginn seines gesellschaftlichen Engagements gleich nach der Wende empfand er die FDP noch als seine politische Heimat. “Aber die Struktur war mir einfach zu dogmatisch, die Arbeit im Ortsverband hat mir einfach nicht mehr gefallen.” 2006 gründete er in Gernrode die Unabhängige Wählergemeinschaft mit, die 2009 eine eigene Fraktion im Stadtrat bildet. “Wir wollen eine Politik betreiben, die wirklich bürgernah ist. Der Bürgerwille verdient Respekt. Das ist mein oberster Leitsatz”, bekräftigt Kunze, der sich von den großen Parteien in Sachen Gebietsreform getäuscht sieht. Bis heute versteht er nicht, warum für die drei Ortsteile Gernrode, Bad Suderode und Rieder keine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde – obwohl es der Wille der Einwohner gewesen sei.

Sollten die Freien Wähler in den Landtag einziehen, dann hat der zweifache Vater, zu dessen Familie auch noch zwei Kinder seiner Frau und fünf Enkel gehören, kein Problem damit, zur Opposition zu gehören. “Opposition ist kreativ”, findet er. “Da ist man gezwungen, sich was einfallen zu lassen”, denkt er vor allem an Grundschulen auf dem Land, die zu erhalten sind und an Ganztagsbildung.

Mitteldeutsche Zeitung vom 11.03.2011

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